{"id":1260,"date":"2010-12-15T22:11:56","date_gmt":"2010-12-15T20:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.irreel.org\/blog\/?p=1260"},"modified":"2017-02-04T21:29:35","modified_gmt":"2017-02-04T19:29:35","slug":"scenario-film-tombent-les-masques-en-allemand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.irreel.ch\/blog\/scenario-film-tombent-les-masques-en-allemand\/","title":{"rendered":"Sc\u00e9nario \/ Film \u00ab\u00a0Tombent les masques\u00a0\u00bb auf deutsch"},"content":{"rendered":"<p>Tombent les masques\u00a0! \u2013 continuit\u00e9 itw d\u00e9finitive\u2013 HF \u2013 page<br \/>\nTombent les masques\u00a0!<\/p>\n<p>Continuit\u00e9 des interviews<br \/>\nMontage d\u00e9finitif<\/p>\n<p>sous-titres allemand, auf deutsch:<\/p>\n<p>Ein Maler, f\u00fcnfzig Modelle. Unter dem eindringlichen Blick des K\u00fcnstlers fallen die Masken. Diese Ausgangslage f\u00fchrt zu einer ungew\u00f6hnlichen Erfahrung: es werden die Portr\u00e4ts mehrerer Freundschaften entworfen, es geht aber auch um die raffinierte List, sich den Leuten und ihren Eigenheiten zu n\u00e4hern. Welches Bild wirft uns der andere zur\u00fcck? Was projizieren wir auf ihn? Ein Hin und Her zum Thema des Blicks, des Erfassens und des Zuh\u00f6rens. Ein Film \u00fcber die Selbsterkenntnis.<\/p>\n<p>Hinter Masken verborgen<\/p>\n<p>Eug\u00e8ne<\/p>\n<p>Ab und zu komme ich hier vorbei und sehe, wie die Familie w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Es ist wie eine Gespenster-Familie. Eine Familie unsichtbarer Wesen.<\/p>\n<p>Christoph<\/p>\n<p>Es sind Gesichter, die auftauchen. Wie im Traum oder in Gedanken.<\/p>\n<p>Arnaud<\/p>\n<p>Anwesenheit und Abwesenheit, die einen Spannungsbogen bilden.<\/p>\n<p>Muma<\/p>\n<p>Man sp\u00fcrt eine Art Kribbeln.<\/p>\n<p>Phaedra<\/p>\n<p>Beim Anblick all dieser Gesichter, in diesen schwarzen Quadraten,<\/p>\n<p>hat man den Eindruck einer Inszenierung.<\/p>\n<p>Lorna<\/p>\n<p>Man ist zwar da, aber auch nicht.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Genau da f\u00e4ngt das Malen an: Mit einer inneren Zerrissenheit.<\/p>\n<p>Und das nehme ich an.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Am Anfang ist es wie eine Wolke, nichts anderes als eine Wolke?,<\/p>\n<p>die immer neue Formen annimmt.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Am Anfang suche ich nach etwas, woran ich mich festhalten kann.<\/p>\n<p>Aber ich finde nichts. Deshalb der Vergleich mit der Wolke<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>F\u00fcr mich stellt die schwarze Fl\u00e4che einen Raum ohne Grenzen dar.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Farben haben einen direkten Zugang zum Unterbewusstsein. Wie ein Ton, vor dem man die Ohren nicht verschliessen kann. Es ist unm\u00f6glich, Farben nicht zu sehen.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Genau wie dieses Schwarz, das aufnimmt, das alles aufsaugt. Das einzige, das bestehen bleibt, ist das, was das Gesicht ausdr\u00fcckt. Das innere Leben, das dahinter ist. Die Seele eines jeden einzelnen.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Es begann mit einer grossen Ver\u00e4nderung in meinem Leben. Eine Freundschaft, die zerbrach. Und dann stellte ich mir Fragen \u00fcber die Bedeutung von Freundschaft und dar\u00fcber, wer noch zu meinen Freunden z\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Ich habe mit denen begonnen, die da waren und Zeit hatten. Denn ich hatte nicht viel Zeit und arbeitete vor allem am Abend. Aus diesem Grund habe ich auch einen schwarzen Untergrund gew\u00e4lt. Die Gesichter wirken darauf wie eine Phantasiegespinster, die ein Verlangen ausdr\u00fccken. Bereits nach den ersten Portraits habe ich gesp\u00fcrt, dass ich noch weitere malen muss, dass diese Bilder einander suchen. Sie suchen sich und l\u00f6sen sich auf, ziehen sich an und stossen sich ab.<br \/>\nEs war wie ein interaktives Spiel. Ich machte weiter, ohne zu wissen, wie lange das dauern w\u00fcrde und wie weit es gehen w\u00fcrde.<br \/>\nSchlussendlich dauerte es lange, und das ganze bewirkte in mir eine starke Ver\u00e4nderung, die in den Bildern sichtbar ist. Es gab einen sp\u00fcrbaren Unterschied zwischen den ersten Portraits und den letzten Portraits.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Mich interessierte nur das Gesicht. Der Blick, die Haut, das Gesicht, darin zeigt sich das wahrste Ich.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Anf\u00e4nglich waren es f\u00fcr mich Leute, die ich kannte, Freunde oder so. Aber je l\u00e4nger ich malte, desto weniger kannte ich sie.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Es ist schwer, Portraits zu machen von Personen, die mir nahe stehen. Denn ich habe bereits ein Bild, eine Vorstellung von der Person. Und genau diesen Eindruck muss ich beim Malen \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Sicher tue ich dem anderen auf eine gewisse Art Gewalt an. Ich wollte den mir bekannten Teil dieser Person vergessen. Ich wollte die Person auf eine andere Art entdecken, sie in einem anderen, ein wenig k\u00fcnstlichen Kontext setzen.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Denn irgendwann st\u00f6sst man auf das Wahre, auf das Wichtige, auf das, was hinter der Maske ist. Und wenn ich auch die Maske male, man sieht doch dahinter.<\/p>\n<p>Florence<\/p>\n<p>Eben, er schaute mich gar nicht an. Er schaute durch mich hindurch. Es ist schwer zu beschreiben. Sein Blick traf nicht meine Augen, sondern meine Ganzheit, mein Wesen. Manchmal hielt er inne und konzentrierte sich auf ein Detail. Und dann wieder auf etwas Gesamtes. Ich weiss auch nicht.<br \/>\nEs war unangenehm zu sp\u00fcren, dass alles, was ich nach aussen zeigte, in diesem Portrait eigentlich nur die Schattenseite war.<\/p>\n<p>Florence<\/p>\n<p>Ich habe diese Dimension in mir. Ich sp\u00fcre das sehr stark in mir. Es ist schon verwirrend zu sehen, dass in so kurzer Zeit genau dies zum Ausdruck kommt.<\/p>\n<p>Elisabeth<\/p>\n<p>Ich sp\u00fcrte, dass da was passierte. Ich kenne Daniel, und ahnte, dass er nicht meine Fassade malen, sondern mein Inneres suchen w\u00fcrde. Also war ich darauf gefasst, mich nicht unbedingt zu erkennen. Und so war es denn auch. Ich war mir fremd, unbekannt. W\u00e4hrend er malte, schwatzen und lachten wir viel.<br \/>\nDas Bild jedoch war sehr streng. Das hat mich sehr \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>Elisabeth<\/p>\n<p>Die Oberfl\u00e4che, das \u00c4ussere ist f\u00fcr mich auch wichtig. Ich frage mich, was die Leute denken, wenn sie das Portrait sehen und mich nicht kennen.<\/p>\n<p>Elisabeth<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich Modell stand, da dachte ich oft an meinen Tod. Mein Portrait w\u00fcrde mich \u00fcberleben, sagte ich zu mir.<\/p>\n<p>Daniel Thomas<\/p>\n<p>Ich kann nur sagen, dass ich mich gar nicht erkenne. Ich habe eine Vorstellung von mir, und gibt es gewisse Dinge an mir, die ich nicht sehe. Ich war nicht wirklich ich selbst, da ich einer Macht unterlag. Die andern ver\u00e4ndern uns.<br \/>\nIch war zwar ich selbst, aber auch ein wenig Daniel Frank. Denn er war ganz nah. Ich war ein wenig sein Bild.<\/p>\n<p>Daniel Thomas<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war schon schwierig, dass das Ganze im Dunkeln geschah. Ich bin eher ein Tages-Wesen und so fand ich mich in einem Kontext, der mir eigentlich nicht entsprach.<\/p>\n<p>Daniel Thomas<\/p>\n<p>Es war, als sei ich in der H\u00f6lle. Oder am Nordpol, in ewiger Nacht.<\/p>\n<p>Arnaud<\/p>\n<p>Es sind wie Waffen, denn Du stehst vor Deinem eigenen Portrait.<\/p>\n<p>Arnaud<\/p>\n<p>Und dann, was sieht man? Blaurote Haut und so. Alles, was man verdr\u00e4ngt, was man an sich nicht vertr\u00e4gt. Alles ist da.<\/p>\n<p>Arnaud<\/p>\n<p>Beim Fotografieren ist es m\u00f6glich, die Energien zu neutralisieren. Mit Energien meine ich das, was im Innern des Werks liegt. Bei einem Portrait hingegen ist das nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Eug\u00e8ne<\/p>\n<p>Manchmal erkannte ich nichts, und es war wie ein unfertiges Puzzle. Fand ich dann wieder ein Teil, dann war ich v\u00f6llig erstaunt. Es war, als ob er den richtigen Knopf gedr\u00fcckt hat. Ich habe den Eindruck, dass das Gesicht sehr variabel ist. Man merkt das zwar gar nicht, aber es ist wirklich variabel.<br \/>\nUnd mit dem Portrait wird ein Moment festgehalten, den niemand wirklich sieht. Er hat im richtigen Moment auf einen Pause-Knopf gedr\u00fcckt.<br \/>\nVielleicht dr\u00fcckte er auch vier-, f\u00fcnfmal den Pause-Knopf, und machte nachher eine Collage. Das Portrait ist eine Art Montage des Gesichts.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Eines der schwierigsten Portraits war das meines Vaters. Ich kenne dieses Bild, bzw. dieses Gesicht am l\u00e4ngsten, und habe es bestimmt idealisiert. Ausserdem schaute er mich manchmal voller Erstaunen an.<br \/>\n&#8211; Wer malt mich da? Mein Sohn? &#8211; Ich weiss es gar nicht. Man steht vor dem R\u00e4tsel des Lebens und fragt sich, wer der andere ist. Wer bist Du? Wie bist Du? Welche Geschichte geh\u00f6rt zu Dir?<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Ich sehe ihn jetzt viel mehr als einen Freund, weniger als Vater. Das sind sehr sch\u00f6ne Momente. Wir haben nicht viel gesprochen. Wir haben einander nur angeschaut, und das ist schon eine Ann\u00e4herung.<\/p>\n<p>Lorna<\/p>\n<p>Am ersten Tag in diesem Sessel fragte ich mich, was ich da mache. Es ist nicht einfach, da zu sein, sich nicht bewegen zu d\u00fcrfen, nichts machen zu k\u00f6nnen. Und Daniels Blick standzuhalten. Er war ganz nah, nicht etwa hinter einer Kamera, einem Fotoapparat oder so.<\/p>\n<p>Und das Ganze w\u00fcrde ja auch dauern, vielleicht drei Stunden oder mehr. Er weist mir den Sessel zu und richtet sich selber ein. Beim ersten Pinselstrich denke ich, das werde ich nie aushalten. Ich werde wegrennen. Ja, denn seine Augen waren da und beobachteten, suchten, formten. Er hatte einen unbekannten Blick und suchte in meinem Innern. Ich sp\u00fcrte, wie ich davon lief.<\/p>\n<p>Innerlich wurde ich ganz klein und versteckte mich. Wie eine Nuss hinter einer Rippe. Allm\u00e4hlich wurde ich wieder gr\u00f6sser und sp\u00fcrte, dass ich in diesem Sessel sass. Und pl\u00f6tzlich sagte Daniel<br \/>\n&#8211; Ah, jetzt geht es besser. ?Vorher konnte ich Dich nicht?? Ich weiss nicht mehr genau, welches Wort er gebraucht hat, irgendwas wie ?erreichen? oder so.<\/p>\n<p>Lorna<\/p>\n<p>Das hat mich vielleicht am st\u00e4rksten gepr\u00e4gt. Es zeigt die Beziehung zwischen dem Inneren und \u00c4usseren. Pl\u00f6tzlich ist da der Maler, der eine Person beobachtet, der diese Person, Dich, sieht und eine Art \u00e4ussere H\u00fclle malt. Und Du befindest im Innern. Das ist komisch.<\/p>\n<p>Florence<\/p>\n<p>Aber manchmal schaute ich ihn an. Ich wunderte mich \u00fcber seinen Gesichtsausdruck. Manchmal schwitzte er auch. Ich war verwundert.<\/p>\n<p>Florence<\/p>\n<p>Ich war fasziniert davon, auch von seinem keuchenden Stil. Ich hatte wirklich den Eindruck, dass ich nicht mehr Florence war. Er hat mich irgendwie gest\u00fcrmt und meine Identit\u00e4t gab\u2018s nicht mehr. Ich hatte den Eindruck, das zu sein was der Maler endlich finden w\u00fcrde, was er einzufangen versuchte. Ich erlebte wie eine Art Tanz, und er war irgendwie wie in Trance. Manchmal lies er sich wieder gehen, und dann konnten wir wieder reden.<br \/>\nUnd ich konnte endlich sehen, was auf der Leinwand geschah.<\/p>\n<p>Florence<\/p>\n<p>W\u00e4hrend zweier Stunden nichts tun und dem Pinsel eines Malers ausgeliefert zu sein, das war doch sehr ungewohnt. Es gab Momente, da war ich da, und dann schwebte ich wieder davon. Manchmal war ich ganz aufgeregt, diese Erfahrung zu machen. Und manchmal war es mir langweilig, und ich wollte gehen. Und manchmal war es mir nicht wohl. Ich f\u00fchlte mich aber stets erstaunlich ruhig.<\/p>\n<p>Florence<\/p>\n<p>Ich sp\u00fcrte eine enorme Freiheit. Freiheit und Einsamkeit zugleich. Schein und Sein waren unwichtig. Er hat mich so ?\u00fcbersetzt?, wie er mich im Moment gesp\u00fcrt hat. Kein Gek\u00fcnstel, \u00fcberhaupt nichts. Es gab weder Gesch\u00e4tz noch Getue.<\/p>\n<p>Lorna<\/p>\n<p>Manchmal fragt man sich, ob etwas Neues zum Vorschein kommt. Die H\u00f6rner des Teufels oder so. Irgendetwas, das einem Angst macht oder traurig stimmt. Etwas, das man selber nicht kennt, und der andere entdeckt hat.<br \/>\nDiese Idee schwirrt im Kopf herum.<\/p>\n<p>Raymond<\/p>\n<p>Am schwierigsten war f\u00fcr mich, anzunehmen, Modell zu seien. Sobald aber der Schritt getan war, hatte ich die \u00c4ngste, davor, was er tun w\u00fcrde, \u00fcberwunden. Daniel war mehr unter Druck, und er musste wissen, was tun. Ich war zwar anwesend, aber auch fremd in der Sache. Ich war seine Sache. So habe ich es erlebt und konnte?<\/p>\n<p>Eug\u00e8ne<\/p>\n<p>Da ist die offizielle Version. Man ist eine Pr\u00e4senz. Aber ich glaube, dass man sehr aktiv ist. Das Erstellen des Portraits<br \/>\nhat sehr lange gedauert. Manchmal dachte ich an Dinge, und verfolgte meinen Gedankengang. Es gab Dinge, an die ich nur dachte wenn ich alleine war. Und da dachte ich an solche Dinge.<br \/>\nZugegeben, ich dachte nicht laut. Aber wir waren doch zu zweit, im gleichen Raum.<br \/>\nIch war geniert, daran zu denken, w\u00e4hrend noch jemand anders da war.<br \/>\nDenn es waren sehr intime Gedanken. Vermutlich habe ich Daniel dann ver\u00e4rgert angeschaut, einfach, weil er da war. Ich hatte den Eindruck, er mache mein Inneres und \u00c4usseres Portrait.<\/p>\n<p>Arnaud<\/p>\n<p>Daniel Frank ist ein Schlingel. Wenn Dir jemand vorschl\u00e4gt, Dein Portrait zu machen, dann f\u00fchlst Du Dich geschmeichelt. Aber das Ganze ist eine Falle. Ich selber bin jemand, der Wert auf die Erscheinung legt, und das Innere ein wenig einsperrt. Aber dann l\u00e4sst Du Dich gehen und versuchst nicht mehr, alles zu beherschen, denn das wird zu anstrengend. Und genau in fl\u00fcchtigen Momenten, in kurzen Momenten der Wahrheit, da sp\u00fcrst Du, dass er Dich erfasst. Und das ist unertr\u00e4glich.<br \/>\nWenn Du dann das Bild anschaust, dann siehst Du alle Wahrheiten?<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Beim Malen bin ich sehr geduldig. Ich mache sehr sanfte Bewegungen, und es ist fast, als ob ich die Haut der Person streichle. Und pl\u00f6tzlich erscheint ein Blick, ein Gef\u00fchl, das emporsteigt. Und genau das m\u00f6chte ich erfassen, diesen kleinen Teil von Intimit\u00e4t. Ein wenig wie ein Vogel, der sich auf seine Beute st\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Arnaud<\/p>\n<p>Am Anfang schwatzte ich drauflos. Und dann sagte Daniel: ?Sei still.? Bei den folgenden Malen, da nahm ich meine Musik mit. Das war eine Art Schutz f\u00fcr mich und eine Falle f\u00fcr Daniel. Ich war Geisel des Malers, und er war Geisel meiner Musik. Ich meine nicht meine Musik, die ich komponiert h\u00e4tte, sondern einfach meine Musik, die ich mitgebracht habe. Es handelt sich um Fallen, und mir gef\u00e4llt diese Idee von Fallen.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>H\u00e4tte er keine Musik mitgebracht, w\u00e4re sein Portrait bestimmt anders. Auch die Musik verr\u00e4t etwas, sagt etwas aus \u00fcber jemanden.<\/p>\n<p>Elisabeth<\/p>\n<p>Ich sp\u00fcrte, dass ich Daniel beim Malen stark beeinflusste. Seine ganze Malerei war gepr\u00e4gt, und ich nahm irgendwie daran teil. Und ich fand es ganz mutig, so etwas zu machen. Denn die Person steht einem nahe.<\/p>\n<p>Elisabeth<\/p>\n<p>Er hat mir selber gesagt, dass er genau das sucht. Denn so erfasst er die Energie, die Pr\u00e4senz der Leute. Und genau dieses Geheimnisvolle wollte er, meiner Meinung nach, zum Vorschein bringen.<\/p>\n<p>Ursula<\/p>\n<p>Wir redeten auch \u00fcber die Beziehung zwischen dem Modell und dem Maler. Denn ich fand es irgendwie komisch: Es war ganz still und ruhig, und ich fragte mich, ob ein Gef\u00fchl von Verlangen aufkam.<\/p>\n<p>Daniel Thomas<\/p>\n<p>Ich fragte mich, weshalb Daniel die Leute ins Dunkel setzen wollte. Ich sehe dahinter den Wunsch, die Leute zu erdr\u00fccken, ihnen das Leben zu nehmen. Sie sind tot. Tot, aber offen, und sie werden ideale Theaterfiguren, Masken oder Marionetten oder so. Man muss sie an die Wand nageln, denn, wenn das Wesen zu frei ist, wenn es atmet, passt es nicht in die Trag\u00f6die.<\/p>\n<p>Es kann nicht manipuliert werden und ist ein unpassendes Lebewesen.<\/p>\n<p>Christophe<\/p>\n<p>Es hat ganz klar etwas von Daniel. Und das hat er wohl nicht bemerkt. So hoffe ich wenigstens. Es w\u00e4re jedenfalls interessanter, wenn er nicht nur beobachtet. Und was seinem Blick entkam, darin f\u00fchle ich Traurigkeit. Ich f\u00fchle eine gewisse Tr\u00e4umerei. Wie ein resigniertes, und doch positives Annehmen der Dinge.<\/p>\n<p>Christophe<\/p>\n<p>Ich habe nicht das Gef\u00fchl, dass Daniel etwas Grandioses, Metaphysisches kreieren wollte. Er wollte vermutlich vielmehr einen inneren Prozess befolgen. Und genau das ist: ein metaphysischer Prozess der Anteilnahme. Das finde ich das Interessante. Er dr\u00fcckte etwas aus, das tief in seinem Inneren war.<br \/>\nUnd daraus entstand das.<\/p>\n<p>Christophe<\/p>\n<p>Was Daniel der Welt zeigt, ist einzig sein Werk. Wie eine Art Antwort, eine Art ergreifende Bejahung seiner selbst, seiner ganzen Zartheit, aber gleichzeitig auch seiner Kraft. Und genau das ist es, was er geben und auch nicht geben kann. Er kann nicht mehr geben, und er kann nicht weniger geben. Es ist wenig und gleichzeitig viel.<\/p>\n<p>Arnaud<\/p>\n<p>Wenn Du Daniel kennenlernst, dann sagt er Dir als Erstes: ?Kann ich Dein Portrait malen?? Das ist seine Art zu kommunizieren. Pl\u00f6tzlich sucht er den Dialog und schl\u00e4gt vor, Dein Portrait zu malen Das ist wie seine Visitenkarte.<\/p>\n<p>Daniel<br \/>\nIch bin mit jeder Person anders. Ich kann in ihre Welt eintauchen und diese Person dann malen. Wie eine Art Cham\u00e4leon. Es ist jedoch kein Manipulieren oder Dominieren des Anderen. Mit den einen war es sehr lustig, mit den anderen ruhig, distanziert. Manchmal herrschte grosse Spannung. Und dann gab es eine ganze Reihe, die war auch ziemlich ?gef\u00e4hrlich?. Man teilt doch einen Moment lang eine gewisse Intimit\u00e4t.<br \/>\nIch beobachte die Person, die mir ihre Intimit\u00e4t zeigt, ihre Person, ihre Pers\u00f6nlichkeit, mit allen uns angeboren Schw\u00e4chen. Es ist eine Beziehung, die auf Freundschaft, ? auf Liebe basiert.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Es ist eine erotische Kunst. Es besteht immer das Verlangen, das Verborgene, das Innere zu entdecken. Es entsteht eine magische Energie, die sehr physisch ist. Die Malerei ist wie ein K\u00f6rper. Man identifiziert seinen K\u00f6rper mit demjenigen, den man kreiert?<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Beim Malen geht es schlussendlich mehr um Besitz als um Darstellung. Als ob man etwas besitzen m\u00f6chte. Nicht die Person, aber ihr Bild. Ihr Bild, das sie anbietet und das ich extrahieren und besitzen m\u00f6chte Ich muss also nehmen und deshalb nennt er mich Raubvogel.<\/p>\n<p>Daniel<br \/>\nIch habe \u00fcbrigens oft den Eindruck, nicht die Person gemalt zu haben, sondern unsere Beziehung. Was zu sehen ist, ist das Ergebnis einer Beziehung, welche in einen Kontext gestellt und eingerahmt wird. Es ist ein wenig k\u00fcnstlich, aber doch echt. Das Portrait ist Zeuge dessen, was ich mit der Person erlebt habe. Und das ist jedesmal anders.<\/p>\n<p>Daniel<br \/>\nIch habe den Eindruck, ich selber w\u00e4re nicht der Gleiche, wenn ich diese oder jene Person nicht getroffen h\u00e4tte. Das ist nicht nur einfach malen, das ist vom Leben lernen.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Wo willst Du das haben? Da? Da ist ein freier Platz. Oder soll ich es anderswo hintun?<\/p>\n<p>H\u00e9l\u00e8ne<\/p>\n<p>Nein, da ist okay. Hier passt es.<\/p>\n<p>Daniel<\/p>\n<p>Du wirst sehen, es wird die ganze Nacht schwatzen.<\/p>\n<p>\u00a9 Copyright pour ce sc\u00e9nario H\u00e9l\u00e8ne Faucherre<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tombent les masques\u00a0! \u2013 continuit\u00e9 itw d\u00e9finitive\u2013 HF \u2013 page Tombent les masques\u00a0! Continuit\u00e9 des interviews Montage d\u00e9finitif sous-titres allemand, auf deutsch: Ein Maler, f\u00fcnfzig Modelle. 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